Schutz für Start-ups

Jeder der ein Unternehmen gründet geht ein Risiko ein. Die Frage ob das Geschäftsmodell tatsächlich fliegt oder das Produkt den Geschmack der Kunden trifft liegen im Bereich des klassischen unternehmerischen Risikos. Diese Risiken teilen sich üblicherweise der Gründer und die Investoren. Dafür erhalten Sie im Erfolgsfall auch den Gewinn. Wie immer im Leben gilt es zur Entscheidungsfindung Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen.

Es gibt aber auch Bereiche in den man die Risiken als Unternehmer nicht selber tragen muss. Versicherungsgesellschaft sind qua Geschäftsmodell daran interessiert Risiken zu übernehmen. Dabei sollte man aber ein paar Dinge beachten, um nicht im Versicherungs-Dschungel den falschen Weg zu nehmen.

Wer wird versichert?

In einem ersten Schritt muss man sich mal klar werden wer eigentlich durch die Versicherung geschützt wird. Viele Artikel befassen sich stark mit dem Schutz des Gründers selber. Alles von der Privathaftpflichtversicherung über die Hausratversicherung bis hin zu Altersvorsorgeprodukte oder einer Krankenversicherung sind dann im Angebot. Dabei ist das Schutzbedürfnis eines Gründers in privaten Bereich sehr ähnlich zu dem aller anderen Menschen und bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung.

Besondere Vorsicht ist zu wahren bei der Vermischung von privaten und geschäftlichen Versicherungen. Dies wird von einigen Anbietern als besonderer Vorteil einiger Produkte hervorgehoben. Insbesondere bei der Privathaftpflicht ein häufiges Phänomen. Dabei kann aus einer Vermischung schnell ein Problem entstehen. Zum einen, weil man immer wenn die Firma eine Versicherung bezahlt, die nur oder ganz überwiegend einer Person zugute kommt die Frage ob ein zu versteuernder geldwerter Vorteil gegeben ist beantworten muss. Wichtiger kann aber das Problem der Vermischung werden, wenn aus dem privaten Umfeld Schäden gemeldet werden, die plötzlich die Prämie bei der Firmenversicherung nach oben treiben. Dieser Effekt kann schnell zu Spannungen führen. 

Wenn man sich einige Themen dennoch genauer anschauen möchte bieten sich besonders die privaten Vorsorgeversicherungen an. Auf der einen Seite gilt es die Frage zu beantworten, ob der Gründer im Bereich der Krankenversicherung die Wahl zwischen einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung hat. Wenn dies der Fall ist sollte sich der Gründer beraten lassen was im speziellen Fall der vorteilhaftere Weg ist. Hierbei sollte man sich professionellen Rat holen, ohne sich zu einer vermeintlich besseren Lösung verführen zu lassen. Es spricht wenig gegen die „normale“ gesetzliche Krankenversicherung gegebenenfalls mit Zusatzversicherung für Krankenhausaufenthalte und Zahnersatz.

Ähnliches kann man sich im Bereich der Altersvorsorge fragen. Abhängig von der Art des Beschäftigungsverhältnisses ist eine Sozialversicherungspflicht gegeben oder nicht. Hier gilt es wieder nach Klärung der Eingangsfrage mit professionellem Rat Entscheidung zu treffen. Liegt ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vor, legt man über die gesetzliche Rente schon ein wenig für das Alter zurück. Hier kann jeder Gründer für sich entscheiden, ob er privat weiter vorsorgen möchte. Alternativ gibt es auch noch Modelle der betrieblichen Altersvorsorge wo die private Initiative des Gründers mit zusätzlicher Unterstützung durch das Unternehmen belohnt wird. Üblicherweise gibt es in diesem Bereich intelligente Methoden, steueroptimiert für das Alter vorzusorgen. Es gibt hier viele Alternativen und eine Menge Anbieter, weshalb in jedem Fall der Rat vom Profi der offen und fair berät hier viel Geld wert sein kann.

Wenn kein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vorliegt ist die Auswahl nicht viel anders. Der Gründer kann wieder entscheiden, ob er privat vorsorgen will. In diesem Fall entfällt die staatliche Grundabsicherung sowohl in Richtung Rente als auch für den Fall der Arbeitslosigkeit. Für beide Fälle muss der Gründer eine Entscheidung treffen, ob er privat vorsorgen möchte und wenn ja in welcher Form. Üblicherweise gehen die meisten Beratungen klar in die Richtung hier privat Vorsorge zu treffen. Die muss aber nicht der richtige Rat sein, sondern hängt sehr stark von den Lebensumständen und der Lebensplanung des Gründers ab.  Darüber hinaus spielen selbstverständlich auch die finanziellen Umstände des Gründers bei dieser Entscheidung eine große Rolle. Aus diesem Grund gilt Vorsicht bei einer vorschnellen Beratung in Richtung Abschluss von Versicherungsprodukten. In jedem Fall sollte man aber zur Entscheidungsfindung in der Altersvorsorge immer einen Profi befragen, da die Produkte erklärungsbedürftig, die steuerlichen Implikationen zu prüfen und die Qualität der Anbieter sehr unterschiedlich sind.

Die Frage über wessen Versicherungen man spricht spielt also eine gewisse Rolle. Sicherlich gibt es Fragestellungen in der Krankenversicherung und bei der bei der Altersvorsorge die einen Firmenbezug haben. Dennoch sollte man die Sphären hier streng trennen. Es gilt einige Zusatzfragen für Gründer zu klären. Gute Berater in diesem Bereich sollten hier aber den Weg durch den Versicherungs-Dschungel leiten.

Was wird versichert?

Nachdem der Gründer nun separat versorgt ist mit Versicherungen bleibt die Frage nach dem tatsächlichen Schutz für das Start-up. Hier kann man systematisch gut in zwei Bereiche trennen. Auf der einen Seite haben wir dort die Drittschäden. Davon ist immer dann auszugehen, wenn jemand das Start-up in Anspruch nimmt. In diesen Fällen will man sich zunächst gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen wenn die Ansprüche unberechtigt sind. Sollte man tatsächlich einen Fehler gemacht haben möchte man vor den finanziellen Folgen geschützt sein. Bekannte Vertreter dieser Drittschaden-Versichrungen sind die Bürohaftlicht, die Vermögensschadenhaftpflicht und die D&O (Directors & Officers) Versicherung. Auf der anderen Seite gibt es die Versicherungen gegen Eigenschäden. Von einem Eigenschaden spricht man regelmäßig dann, wenn ein unerwartetes Ereignis zu einem finanziellen Schaden im Unternehmen führt. Die bekanntesten Vertreter dieser Klasse sind neben der Inhaltsversicherung noch die deutlich neuere Cyber-Versicherung.

Für die Firmenversicherungen gilt ähnliches wie bei den privaten Versicherungen des Gründers. Es gibt eine große Vielfalt an Produkten und jede Menge unterschiedliche Angebote. Als Grundregel kann man sich auch in diesem Bereich gut an Warren Buffett orientieren, sprich kaufe nichts was du nicht verstehst. Wenn man nicht von der Notwendigkeit einer Absicherung überzeugt ist, sollte man nicht abschließen. Gleiches gilt, wenn man die tatsächliche Schutzfunktion einer Versicherung nicht vollständig versteht. Versicherungen sind meistens kein Lustkauf. Insofern ist es umso wichtiger genau zu verstehen warum und was man gerade gekauft hat, um es dann auch sinnvoll einsetzen zu können. Einen abschließenden, pauschalen Rat welche Versicherungen ein Start-up haben sollte macht deshalb keinen Sinn, sondern bedarf einer qualifizierten Beratung durch einen Profi der sowohl das Versicherungsangebot als auch die Risiken eines Start-ups versteht. Auf Basis der Beratung muss dann das Start-up bzw. der Gründer entscheiden was zu passieren hat.

Wir werden versuchen hier Licht ins das Dunkele zu bringen, indem wir in einer kleinen Serie die einschlägigen Produkte der Versicherungswirtschaft für Start-ups beschreiben und erklären, um die Basis für Eure Entscheidung zu verbreitern. Wir freuen uns auf Euer Feedback und danken für die Unterstützung.